Ratgeber · Allergien und Ekzeme
Handekzem: Ursachen und was wirklich hilft
Rote, rissige, juckende Hände, kleine Bläschen an den Fingern, Haut, die bei jedem Händewaschen brennt: Ein Handekzem ist häufig und für viele Betroffene sehr belastend, weil die Hände ständig im Einsatz und im Blick sind. Die gute Nachricht: Wer die Ursache kennt, kann viel dagegen tun.
Von Dr. med. Katharina Peuker, Fachärztin für Dermatologie in Überlingen · Stand Oktober 2026

Was ist ein Handekzem?
Ein Handekzem ist eine Entzündung der Haut an Händen und Fingern. Es zeigt sich mit Rötung, Schuppung, Juckreiz und oft schmerzhaften Einrissen, manchmal auch mit Bläschen. Hält es länger als drei Monate an oder kehrt es mehrmals im Jahr zurück, spricht man von einem chronischen Handekzem.
Ein Handekzem ist nicht ansteckend. Es ist auch kein Zeichen mangelnder Hygiene, eher im Gegenteil: Häufig entsteht es gerade bei Menschen, die sich sehr oft die Hände waschen.
Viele versuchen es zunächst mit Hausmitteln wie Kamillenbädern, Olivenöl oder Teebaumöl. Das ist verständlich, kann die Haut aber zusätzlich reizen: Kamille und ätherische Öle gehören selbst zu den Stoffen, auf die manche Menschen allergisch reagieren, und häufige Handbäder trocknen die Haut weiter aus. Besser ist eine schlichte, parfümfreie Pflege und, wenn das nach zwei bis drei Wochen nicht reicht, eine ärztliche Abklärung.
Handekzem Ursachen: Reizung, Allergie, Veranlagung
Meist wirken mehrere Ursachen zusammen. Ich unterscheide drei Hauptformen:
- Irritativ: Wasser, Seife, Reinigungsmittel, Desinfektion und lange Zeit in Schutzhandschuhen schwächen die Hautbarriere. Das betrifft Menschen in Pflege, Friseurhandwerk, Gastronomie, Reinigung und ebenso Eltern kleiner Kinder oder alle, die viel im Haushalt arbeiten.
- Allergisch: Eine Kontaktallergie etwa auf Gummi-Inhaltsstoffe in Handschuhen, Duftstoffe, Konservierungsmittel, Nickel oder Acrylate hält das Ekzem in Gang.
- Atopisch: Menschen mit Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma in der Vorgeschichte haben eine empfindlichere Hautbarriere und erkranken leichter.
Handekzem mit Bläschen: das dyshidrotische Ekzem
Eine besondere Form ist das dyshidrotische Ekzem. Dabei bilden sich kleine, stark juckende Bläschen an den Seiten der Finger und in den Handflächen, manchmal auch an den Fußsohlen. Sie trocknen nach einigen Tagen ein und hinterlassen schuppende Haut. Das Ekzem verläuft in Schüben, die häufig im Sommer, bei Schwitzen oder in belastenden Zeiten auftreten.
Der Name ist irreführend: Mit einer Störung der Schweißdrüsen hat es nach heutigem Wissen wenig zu tun. Hinter wiederkehrenden Bläschen kann sich auch eine Kontaktallergie oder eine Reaktion auf einen Fußpilz an anderer Stelle verbergen, deshalb lohnt sich die genaue Abklärung.
Handekzem oder Pilz, Handekzem oder Schuppenflechte?
Nicht jede schuppende Hand ist ein Ekzem. Ein Hautpilz an der Hand betrifft typischerweise nur eine Hand und geht oft mit einem Fußpilz oder Hautpilz an den Füßen einher. Eine Schuppenflechte bildet eher scharf begrenzte, dicke Schuppen in den Handflächen, oft mit schmerzhaften Rissen und begleitenden Veränderungen der Nägel.
Weil eine Kortisoncreme einen Pilz verschlimmern und eine Pilzcreme ein Ekzem nicht bessern kann, kläre ich bei unklaren Befunden vorher ab, was vorliegt. Mit der Pilzdiagnostik per PCR lässt sich ein Pilz innerhalb weniger Tage nachweisen oder ausschließen. Besteht der Verdacht auf eine Kontaktallergie, überweise ich Sie für einen Epikutantest.
Handekzem was hilft wirklich? Hautschutz im Alltag
Die Grundlage jeder Behandlung ist, die Hände zu entlasten. Das klingt banal, entscheidet aber oft darüber, ob ein Ekzem abheilt oder immer wiederkommt:
- Hände mit lauwarmem Wasser und milder, duftstofffreier Waschlotion waschen, gründlich abtrocknen, auch zwischen den Fingern.
- Ringe beim Waschen und bei der Arbeit abnehmen, darunter sammeln sich Wasser und Seifenreste.
- Wo Desinfektion möglich ist, ist sie für die Haut oft schonender als häufiges Waschen.
- Bei Feuchtarbeit Schutzhandschuhe tragen, darunter dünne Baumwollhandschuhe, und die Handschuhe nicht länger als nötig anbehalten.
- Mehrmals täglich und vor allem abends eine rückfettende, parfümfreie Creme auftragen, im Winter auch Handschuhe draußen.
Ärztliche Behandlung in Stufen
Reicht der Hautschutz allein nicht, behandle ich stufenweise. Im akuten Schub kommt meist eine Kortisoncreme für begrenzte Zeit zum Einsatz, an den Händen oft in kräftigerer Stärke, weil die Haut dort dick ist. Danach folgen eine Erhaltungstherapie und andere entzündungshemmende Cremes, die sich auch über längere Zeit eignen.
Bei einem schweren, chronischen Handekzem, das auf äußerliche Behandlung nicht anspricht, kommen innerliche Medikamente oder eine Lichttherapie der Hände infrage. Die Medikamente kann ich verordnen, für die Lichttherapie überweise ich Sie. Welche Stufe sinnvoll ist, besprechen wir gemeinsam, ebenso wie bei Neurodermitis und Psoriasis, mit denen das Handekzem eng verwandt ist.
Hängt das Ekzem mit dem Beruf zusammen, sprechen Sie das bitte früh an. Für berufsbedingte Hauterkrankungen gibt es das sogenannte Hautarztverfahren der gesetzlichen Unfallversicherung, das Hautschutz und Behandlung unterstützen kann, damit der Beruf nicht aufgegeben werden muss. Den dafür nötigen Hautarztbericht an die Berufsgenossenschaft erstelle ich nicht, dafür überweise ich Sie an eine Kollegin oder einen Kollegen.
Wann Sie zur Hautärztin gehen sollten
Lassen Sie Ihre Haut ärztlich ansehen, wenn
- das Ekzem besteht länger als zwei bis drei Wochen trotz Pflege
- tiefe, schmerzhafte Risse oder Bläschen, die immer wiederkommen
- gelbliche Krusten, Eiter oder zunehmende Schmerzen
- nur eine Hand ist betroffen oder auch die Nägel verändern sich
- die Beschwerden hängen mit Ihrem Beruf zusammen
Dieser Ratgeber ersetzt keine Untersuchung. Wenn Sie unsicher sind, sehe ich mir Ihre Haut gern an, in meiner Praxis in der Turmgasse in Überlingen. Termin vereinbaren
Häufige Fragen
Ist ein Handekzem ansteckend?
Nein. Ein Handekzem ist eine Entzündung der Haut und nicht übertragbar. Ansteckend ist es nur dann, wenn sich zusätzlich Bakterien angesiedelt haben oder es sich in Wahrheit um einen Pilz handelt, deshalb gehört eine unklare Hand in die Sprechstunde.
Wie lange dauert ein Handekzem?
Ein frisches Handekzem kann bei konsequentem Hautschutz und passender Behandlung innerhalb weniger Wochen abheilen. Besteht es schon lange, braucht die Hautbarriere oft Monate, um sich zu erholen. Je früher die Ursache angegangen wird, desto besser sind die Aussichten.
Geht ein Handekzem wieder weg?
Häufig ja, vor allem wenn ein Auslöser gefunden und gemieden wird. Bei einer Veranlagung oder anhaltender Belastung der Hände neigt die Haut aber dazu, erneut zu reagieren. Guter Hautschutz bleibt deshalb auch nach dem Abheilen wichtig.
Handekzem oder Neurodermitis: Was ist der Unterschied?
Ein Handekzem kann eine Form der Neurodermitis sein, muss es aber nicht. Viele Handekzeme entstehen allein durch Reizung oder Allergie. Hinweise auf Neurodermitis sind Ekzeme an anderen Stellen, trockene Haut und eine entsprechende Vorgeschichte.