Ratgeber · Hautpflege und Ausstrahlung
Retinol und Vitamin C: Wirkung und richtige Anwendung
Retinol und Vitamin C gehören zu den am besten untersuchten Wirkstoffen in der Hautpflege. Richtig angewendet, können sie feine Linien, Pigmente und einen fahlen Teint verbessern. Falsch angewendet, reizen sie die Haut. Worauf es ankommt, erkläre ich hier.
Von Dr. med. Katharina Peuker, Fachärztin für Dermatologie in Überlingen · Stand Oktober 2026

Retinol: Was macht das mit der Haut?
Retinol ist eine Form von Vitamin A. In der Haut wird es schrittweise in die eigentlich wirksame Vitamin-A-Säure umgewandelt. Diese regt die Erneuerung der Hautzellen an, fördert die Bildung von Kollagen und kann verstopfte Poren lösen. Mit der Zeit kann die Haut glatter, ebenmäßiger und frischer wirken, feine Linien und kleine Pigmentflecken können zurückgehen.
Retinol wirkt langsam. Erste Veränderungen zeigen sich meist nach acht bis zwölf Wochen regelmäßiger Anwendung. Stärkere, verschreibungspflichtige Vitamin-A-Säure-Präparate gehören in ärztliche Hand, weil sie die Haut deutlich mehr reizen können.
Retinol: Wie oft und wie anwenden?
Der wichtigste Grundsatz lautet: langsam einschleichen. So gehen Sie vor:
- abends auf die gereinigte, trockene Haut auftragen, eine erbsengroße Menge genügt für das ganze Gesicht,
- anfangs zwei- bis dreimal pro Woche, nach einigen Wochen bei guter Verträglichkeit jeden zweiten Abend oder täglich,
- Augenlider, Mundwinkel und Nasenflügel aussparen, dort ist die Haut empfindlich,
- danach eine Feuchtigkeitscreme, bei empfindlicher Haut auch vorher als Puffer,
- morgens konsequent Sonnenschutz, weil die Haut unter Retinol lichtempfindlicher wird.
Retinol: Was beachten?
In den ersten Wochen kann die Haut trocken werden, spannen, sich leicht schälen oder röten. Man nennt das Retinisierung. Es ist eine Gewöhnungsphase, keine Allergie, und klingt meist nach zwei bis sechs Wochen ab. Reagiert die Haut stark, wenden Sie Retinol seltener an, statt ganz aufzuhören.
In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte kein Retinol verwendet werden. Bei Rosazea, Ekzemen oder sehr empfindlicher Haut bespreche ich vorher, ob es geeignet ist. Vor und nach Behandlungen wie Laser, Microneedling oder Peeling pausieren Sie Retinol für einige Tage. Was dabei genau zu beachten ist, erkläre ich im Beitrag nach der Laserbehandlung.
Wie viel Prozent sinnvoll sind? Für den Einstieg genügen niedrige Konzentrationen. In der EU ist der Gehalt an Vitamin A in Kosmetik inzwischen begrenzt, für Gesichtsprodukte auf 0,3 Prozent Retinol-Äquivalent.
Retinol: Ab wann ist es sinnvoll?
Ein festes Alter gibt es nicht. Zur Vorbeugung beginnen viele Ende zwanzig oder in den Dreißigern, wenn die Zellerneuerung langsamer wird. Auch bei unreiner Haut kann Retinol früher sinnvoll sein. Mit vierzig oder fünfzig ist es nicht zu spät, gerade dann profitiert die Haut oft deutlich. Wie Retinol in eine Hautpflege ab 40 passt, beschreibe ich dort. Retinol, Retinal und Retinylester sind übrigens verschiedene Vorstufen derselben Vitamin-A-Säure. Retinal wirkt etwas schneller, Retinylester sind milder, aber schwächer. Für den Einstieg ist Retinol in niedriger Konzentration eine gute Wahl.
Vitamin-C-Serum: morgens oder abends?
Vitamin C ist ein Antioxidans. Es fängt freie Radikale ab, die durch UV-Licht und Luftverschmutzung entstehen, und ergänzt so den Sonnenschutz. Außerdem ist es an der Bildung von Kollagen beteiligt und kann die Bildung von Pigment hemmen. Der Teint wirkt dadurch oft frischer und gleichmäßiger. Am sinnvollsten ist Vitamin C deshalb morgens, unter dem Sonnenschutz.
Die gut untersuchte Form ist reine Ascorbinsäure. Kosmetische Seren enthalten typischerweise etwa 10 bis 20 Prozent. Höhere Konzentrationen bringen meist nicht mehr Wirkung, reizen aber eher. Bei empfindlicher Haut sind niedrigere Konzentrationen oder mildere Vitamin-C-Abkömmlinge besser verträglich.
Wie lange ist ein Vitamin-C-Serum haltbar? Ascorbinsäure ist empfindlich. Licht, Wärme und Luft lassen sie oxidieren, das Serum färbt sich dann gelblich bis braun und verliert an Wirkung. Bewahren Sie es dunkel, kühl und gut verschlossen auf und verbrauchen Sie es innerhalb weniger Monate. Ein braunes Serum gehört in den Müll.
Retinol, Vitamin C und Säuren kombinieren
Retinol und Vitamin C ergänzen sich gut, wenn Sie sie trennen: Vitamin C am Morgen, Retinol am Abend. Fruchtsäuren, Salicylsäure oder ein Peeling für zu Hause sollten Sie nicht am selben Abend wie Retinol verwenden, sondern an anderen Tagen, und erst, wenn die Haut Retinol gut verträgt. Zu viele Wirkstoffe auf einmal schwächen die Hautbarriere.
Bei Pigmentflecken oder Narben stößt Pflege an Grenzen. Was bei Pigmentflecken im Gesicht und Aknenarben hilft, erkläre ich gesondert. Ein ärztliches Peeling, auch mit Retinol, wirkt deutlich stärker als eine Creme. Hartnäckige Altersflecken lassen sich lasern. Beim Microneedling und bei LADD gelangen Wirkstoffe über feinste Kanäle gezielt in tiefere Hautschichten, die eine Creme nicht erreicht.
Wann Sie zur Hautärztin gehen sollten
Lassen Sie Ihre Haut ärztlich ansehen, wenn
- die Haut brennt, schwillt oder nässt nach dem Auftragen
- Rötung und Schälen halten länger als sechs Wochen an
- Juckreiz oder Ekzeme treten auch an anderen Stellen auf
- Pigmentflecken werden dunkler oder verändern sich
- Sie sind schwanger, stillen oder planen eine Schwangerschaft und sind unsicher, welche Pflege geeignet ist
Dieser Ratgeber ersetzt keine Untersuchung. Wenn Sie unsicher sind, sehe ich mir Ihre Haut gern an, in meiner Praxis in der Turmgasse in Überlingen. Termin vereinbaren
Häufige Fragen
Retinol oder Vitamin C: Was ist besser gegen Falten?
Gegen feine Linien ist Retinol besser untersucht, weil es die Erneuerung der Haut und die Kollagenbildung anregt. Vitamin C schützt eher vor neuen Schäden und macht den Teint frischer. Am besten ergänzen sich beide: Vitamin C morgens, Retinol abends.
Retinol oder Hyaluron?
Das ist kein Entweder-oder. Hyaluronsäure bindet Feuchtigkeit und lässt die Haut praller wirken, die Wirkung bleibt aber an der Oberfläche. Retinol verändert die Haut langfristig. In vielen Routinen ergänzen sich beide gut.
Wie lange dauert es, bis Retinol wirkt?
Erste Veränderungen zeigen sich meist nach acht bis zwölf Wochen, die volle Wirkung oft erst nach mehreren Monaten. Regelmäßigkeit ist wichtiger als eine hohe Konzentration.
Was hilft gegen Retinol-Brand?
Setzen Sie Retinol einige Tage ab, reinigen Sie mild und pflegen Sie mit einer beruhigenden Creme ohne Duftstoffe. Danach beginnen Sie seltener und in geringerer Menge wieder. Brennt die Haut stark oder nässt sie, sollte ich sie mir ansehen.
Vitamin-C-Serum: Wie oft anwenden?
Einmal täglich am Morgen genügt. Bei empfindlicher Haut können Sie mit jedem zweiten Tag beginnen und dann steigern.