Ratgeber · Haare, Nägel und Pilz
Eisenmangel und Haarausfall: Welche Blutwerte sinnvoll sind
Bei Haarausfall fragen viele zuerst nach dem Eisen. Zu Recht: Ein Eisenmangel gehört zu den häufigsten behebbaren Ursachen, vor allem bei Frauen. Welche Blutwerte wirklich weiterhelfen und warum Tabletten auf Verdacht keine gute Idee sind, erkläre ich hier.
Von Dr. med. Katharina Peuker, Fachärztin für Dermatologie in Überlingen · Stand Oktober 2026

Kann Eisenmangel Haarausfall auslösen?
Ja. Haarwurzeln gehören zu den Zellen, die sich am schnellsten teilen, und sie brauchen dafür Eisen. Wird es knapp, versorgt der Körper zuerst lebenswichtige Organe. Mehr Haare als sonst wechseln dann vorzeitig in die Ruhephase und fallen einige Wochen später aus. Typisch ist ein diffuser Haarausfall: Die Haare gehen auf dem ganzen Kopf aus, der Zopf wird schmaler, kahle Stellen entstehen nicht.
Ein Eisenmangel beginnt oft lange vor einer Blutarmut. Das Blutbild kann dann noch normal sein, während die Speicher bereits leer sind. Weitere Hinweise sind Müdigkeit, Blässe, eine geringere Belastbarkeit, brüchige Nägel oder eingerissene Mundwinkel. Blasse Haut lässt auch Schatten unter den Augen deutlicher hervortreten, mehr dazu im Artikel über Augenringe und Schlupflider. Selten ist der Eisenmangel die einzige Ursache. Oft wirkt er mit einer anlagebedingten Neigung zusammen, wie ich im Überblick zu den Ursachen von Haarausfall beschreibe.
Eisenmangel und Haarausfall bei Frauen
Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Mit jeder Monatsblutung geht Eisen verloren, bei starken Blutungen entsprechend mehr. Schwangerschaft und Stillzeit verbrauchen zusätzlich Eisen. Auch eine vegetarische oder vegane Ernährung, häufiges Blutspenden, viel Ausdauersport und strenge Diäten können die Speicher leeren.
Nach den Wechseljahren endet der monatliche Verlust, dann treten andere Ursachen in den Vordergrund, vor allem hormonelle Veränderungen. Was sich in dieser Zeit an Haut und Haaren verändert, lesen Sie unter Haut in den Wechseljahren. Bei Männern und bei Frauen nach den Wechseljahren ist ein Eisenmangel ungewöhnlich. Dann muss die Ursache gesucht werden, etwa ein unbemerkter Blutverlust über Magen oder Darm. Das klärt die hausärztliche oder internistische Praxis.
Welche Blutwerte sind bei Haarausfall sinnvoll?
Ich veranlasse die Werte, die zu Ihrer Vorgeschichte und zum Befund an Kopfhaut und Haaren passen, statt eines großen Pakets ohne Fragestellung. Die Blutuntersuchung findet direkt in der Praxis statt, die meisten Ergebnisse liegen nach wenigen Tagen vor. Je nach Situation gehören dazu:
- Ferritin, der Wert für den Eisenspeicher, dazu oft ein kleines Blutbild,
- ein Entzündungswert, weil Ferritin bei Entzündungen ansteigt und einen Mangel dann verdecken kann,
- TSH als Suchtest für die Schilddrüse, bei Auffälligkeiten weitere Schilddrüsenwerte,
- Vitamin D und, bei passenden Hinweisen, Zink,
- Hormone, wenn Zyklusstörungen, unreine Haut oder vermehrter Haarwuchs im Gesicht auf ein Zuviel an männlichen Hormonen hindeuten.
Ferritin bei Haarausfall: Welcher Wert ist normal?
Das Labor gibt für Ferritin einen Referenzbereich an. Liegt der Wert darunter, sind die Eisenspeicher sicher leer. Schwieriger ist der Bereich knapp über der unteren Grenze. Viele Fachleute streben bei Haarausfall einen Wert an, der nicht nur knapp im Normalbereich liegt. Eine feste, durch Studien gesicherte Grenze gibt es dafür aber nicht.
Ich beurteile Ferritin deshalb nie allein, sondern zusammen mit dem Blutbild, dem Entzündungswert, Ihren Beschwerden und dem Befund an der Kopfhaut. Ein einzelner Laborwert erklärt einen Haarausfall selten vollständig.
Schilddrüse, Vitamin D, Zink und Biotin
Eine Unter- wie eine Überfunktion der Schilddrüse kann diffusen Haarausfall auslösen, das Haar wird oft auch trockener oder feiner. Ist die Schilddrüse gut eingestellt, beruhigt sich der Haarausfall in der Regel wieder.
Ein Vitamin-D-Mangel ist in unseren Breiten im Winter häufig, auch am Bodensee. Ob er Haarausfall begünstigt, ist nicht sicher geklärt. Für die Haut gilt Ähnliches: Typische Hautzeichen eines Vitamin-D-Mangels gibt es nicht. Zinkmangel ist selten, kommt aber etwa bei einseitiger Ernährung oder Darmerkrankungen vor. Zu viel Zink über lange Zeit kann seinerseits einen Kupfermangel verursachen.
Biotin steckt in vielen Haarpräparaten, ein echter Biotinmangel ist jedoch sehr selten. Wichtig zu wissen: Hoch dosiertes Biotin kann Laborwerte verfälschen, vor allem Schilddrüsenwerte und manche Hormonwerte. Sagen Sie mir deshalb, wenn Sie Biotin oder ein Haarpräparat einnehmen. Meist ist es sinnvoll, es nach Rücksprache einige Tage vor der Blutentnahme zu pausieren.
Wann wird Haarausfall durch Eisenmangel besser?
Haarausfall durch Eisenmangel ist in aller Regel reversibel, denn die Haarwurzeln bleiben erhalten. Sie brauchen aber Zeit. Ist der Mangel ausgeglichen, lässt der vermehrte Haarausfall meist nach etwa drei Monaten nach. Neue Haare zeigen sich dann als kurze Härchen am Scheitel und an der Stirn. Bis das Haar wieder sichtbar dichter wirkt, vergehen oft sechs Monate oder mehr, denn Kopfhaare wachsen nur etwa einen Zentimeter im Monat.
Wie der Mangel ausgeglichen wird, hängt von den Werten und der Verträglichkeit ab. Eine Kontrolle nach einigen Wochen bis Monaten zeigt, ob sich die Speicher füllen. Bleibt der Haarausfall trotz guter Werte bestehen, steckt meist eine weitere Ursache dahinter. Dann geht es in der Haarausfall-Sprechstunde weiter, gegebenenfalls mit einer gezielten Therapie bei Haarausfall.
Warum nicht einfach Eisen und Vitamine einnehmen?
Die Versuchung ist groß, auf Verdacht ein Eisen- oder Haarpräparat zu kaufen. Davon rate ich ab. Ohne Messung wissen Sie nicht, ob überhaupt ein Mangel besteht. Zu viel Eisen kann schaden, vor allem bei einer angeborenen Eisenspeicherkrankheit, die oft lange unbemerkt bleibt. Und wer schon Präparate einnimmt, verwischt die Werte, die eigentlich die Ursache zeigen sollten.
Auch an den Nägeln zeigt sich ein Mangel manchmal, etwa als dünne, brüchige oder löffelförmig eingedellte Nägel. Was solche Zeichen bedeuten und was nicht, beschreibe ich im Artikel über veränderte Nägel.
Wann Sie zur Hautärztin gehen sollten
Lassen Sie Ihre Haut ärztlich ansehen, wenn
- Haarausfall, der über mehr als sechs bis acht Wochen anhält
- zusätzlich Müdigkeit, Blässe oder Atemnot bei Belastung
- sehr starke oder verlängerte Monatsblutungen
- Haarausfall trotz Eiseneinnahme
- kahle Stellen, Rötung oder Schuppung der Kopfhaut
- Haarausfall mit Zyklusstörungen oder vermehrtem Haarwuchs im Gesicht
Dieser Ratgeber ersetzt keine Untersuchung. Wenn Sie unsicher sind, sehe ich mir Ihre Haut gern an, in meiner Praxis in der Turmgasse in Überlingen. Termin vereinbaren
Häufige Fragen
Ist Haarausfall durch Eisenmangel reversibel?
In aller Regel ja, weil die Haarwurzeln erhalten bleiben. Nach dem Ausgleich des Mangels lässt der Haarausfall meist nach etwa drei Monaten nach. Sichtbar dichter wird das Haar oft nach sechs Monaten oder später.
Wie lange muss ich Eisen einnehmen?
Das hängt davon ab, wie leer die Speicher sind und wie gut Sie das Präparat vertragen. Meist sind es mehrere Monate. Eine Kontrolle des Ferritins zeigt, wann die Speicher wieder gefüllt sind, und schützt davor, zu lange einzunehmen.
Muss ich vor der Blutabnahme etwas beachten?
Ob Sie nüchtern kommen sollten, hängt von den Werten ab, mein Team sagt es Ihnen bei der Terminvereinbarung. Wenn Sie Biotin oder ein Haarpräparat einnehmen, sprechen Sie das bitte vorher an, weil hoch dosiertes Biotin manche Laborwerte verfälscht.
Kann ein Vitamin-D-Mangel Haarausfall verursachen?
Ein Zusammenhang wird diskutiert, vor allem beim kreisrunden Haarausfall, sicher belegt ist er nicht. Ein gemessener Mangel sollte unabhängig vom Haar ausgeglichen werden. Dass Vitamin D allein einen Haarausfall beendet, ist aber nicht zu erwarten.
Bekommen auch Männer Haarausfall durch Eisenmangel?
Selten. Bei Männern ist ein Eisenmangel ungewöhnlich und sollte immer abgeklärt werden, weil ein unbemerkter Blutverlust dahinterstecken kann. Deutlich häufiger ist bei Männern der anlagebedingte Haarausfall.