Ratgeber · Hautbild, Rötungen und Pigmente
Keloide und wulstige Narben: was hilft
Manche Narben heilen nicht flach und blass ab, sondern werden dick, rot und fest, jucken oder ziehen. Das sind hypertrophe Narben oder Keloide. Hier erkläre ich, wie sie sich unterscheiden, warum sie entstehen und welche Wege es gibt, sie flacher und unauffälliger zu machen.
Von Dr. med. Katharina Peuker, Fachärztin für Dermatologie in Überlingen · Stand Oktober 2026

Hypertrophe Narbe oder Keloid?
Bei jeder Wundheilung bildet die Haut neues Bindegewebe. Gerät dieser Vorgang aus dem Gleichgewicht, entsteht zu viel davon. Eine hypertrophe Narbe bleibt dabei auf die ursprüngliche Wunde begrenzt. Sie ist erhaben und gerötet, wird aber oft innerhalb von ein bis zwei Jahren von selbst flacher.
Ein Keloid wächst dagegen über die Grenzen der Wunde hinaus, wie ein fester, glänzender Wulst, der sich in die gesunde Haut schiebt. Keloide bilden sich nicht von selbst zurück, können über Jahre weiterwachsen, jucken und bei Berührung schmerzen. Sie sind gutartig, aber hartnäckig.
Warum manche Menschen Keloide bekommen
Die Neigung zu Keloiden ist zu einem großen Teil angeboren und kommt in Familien gehäuft vor. Begünstigend wirken:
- bestimmte Körperstellen mit viel Spannung: Brustbein, Schultern, Oberarme, oberer Rücken, Ohrläppchen und Kieferlinie,
- Wunden, die unter Zug stehen, sich entzünden oder lange zum Heilen brauchen,
- Ohrlöcher, Piercings, Tattoos, Impfstellen, Operationsnarben und entzündliche Akne,
- dunklere Hauttypen und ein Alter zwischen Pubertät und etwa 30 Jahren,
- hormonelle Umstellungen wie die Schwangerschaft.
Welche Wege es gibt
Eine einzelne Methode reicht bei Keloiden selten. Meist kombiniere ich mehrere Verfahren über einige Monate. Ziel ist eine Narbe, die flacher, blasser und weicher ist und weniger juckt. Ganz verschwinden lässt sich eine Narbe nicht.
- Kortison direkt in die Narbe gespritzt: der wichtigste Baustein. Es bremst die Bindegewebsbildung, die Narbe wird flacher und juckt weniger. Meist sind mehrere Sitzungen im Abstand von einigen Wochen nötig.
- Vereisung, oft kombiniert mit der Kortisonspritze, vor allem bei kleineren Keloiden.
- Laser: Der gelbe Laser mildert die Rötung, fraktionierte Laser lockern das Narbengewebe auf und können Wirkstoffe tiefer einschleusen, siehe LADD.
- Silikongel oder Silikonpflaster über mehrere Monate, auch zur Vorbeugung nach einer Operation.
- Druckverbände, etwa spezielle Clips für das Ohrläppchen.
Keloid operativ entfernen?
Wird ein Keloid nur herausgeschnitten, wächst es sehr häufig wieder nach, oft größer als vorher. Eine Operation kommt deshalb nur infrage, wenn sie mit einer Nachbehandlung kombiniert wird, etwa Kortisonspritzen in die frische Narbe und Silikon über Monate. Hypertrophe Narben, die breit oder verzogen verheilt sind, lassen sich dagegen gut operativ korrigieren, mehr dazu unter operative Dermatologie.
Eingezogene Narben, etwa nach Akne, brauchen andere Verfahren. Sie sind unter Aknenarben beschrieben.
Vorbeugen bei bekannter Neigung
Wer weiß, dass er zu Keloiden neigt, sollte das vor jeder Operation, jedem Piercing und jedem Tattoo ansprechen. Nach einem Eingriff helfen eine spannungsarme Naht, Silikon ab dem Fadenzug und ein früher Blick auf die Narbe, damit ich bei den ersten Anzeichen einer Wucherung eingreifen kann. Frische Narben schützen Sie zudem ein Jahr lang konsequent vor Sonne.
Wann Sie zur Hautärztin gehen sollten
Lassen Sie Ihre Haut ärztlich ansehen, wenn
- eine Narbe wird nach Wochen dicker, röter oder wächst über die Wunde hinaus
- eine Narbe juckt, schmerzt oder spannt
- ein Keloid ist nach einer Operation wiedergekommen
- Sie neigen zu Keloiden und planen einen Eingriff, ein Piercing oder ein Tattoo
Dieser Ratgeber ersetzt keine Untersuchung. Wenn Sie unsicher sind, sehe ich mir Ihre Haut gern an, in meiner Praxis in der Turmgasse in Überlingen. Termin vereinbaren
Häufige Fragen
Geht ein Keloid von selbst weg?
Nein. Hypertrophe Narben werden oft innerhalb von ein bis zwei Jahren flacher, Keloide bleiben dagegen bestehen und können weiterwachsen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser spricht die Narbe an.
Tut die Kortisonspritze in die Narbe weh?
Narbengewebe ist fest, der Druck beim Spritzen ist deshalb spürbar. Ich kann die Stelle vorher mit Betäubungscreme oder Kälte vorbereiten. Die Sitzung selbst dauert nur wenige Minuten.
Kann man ein Keloid weglasern?
Der Laser allein entfernt ein Keloid nicht. Er ist aber ein guter Baustein in der Kombination, weil er Rötung und Festigkeit verringert und Wirkstoffe tiefer in die Narbe bringt.
Was kostet die Behandlung von Keloiden?
Das hängt von Größe und Zahl der Narben und von den Verfahren ab, die wir kombinieren. Ich rechne nach der GOÄ ab und nenne Ihnen die Kosten nach der Untersuchung. Ob die private Krankenversicherung sie übernimmt, hängt davon ab, ob die Narbe Beschwerden macht.