Ratgeber · Hautbild, Rötungen und Pigmente
Starkes Schwitzen: Ursachen und Behandlung mit Botox
Nasse Flecken unter den Achseln, feuchte Hände beim Begrüßen, Schweiß, der ohne Hitze oder Anstrengung kommt: Starkes Schwitzen belastet viele Menschen mehr, als man von außen sieht. Hier erkläre ich, wann Schwitzen eine Erkrankung ist, was dahinterstecken kann und wie die Behandlung mit Botox funktioniert.
Von Dr. med. Katharina Peuker, Fachärztin für Dermatologie in Überlingen · Stand Oktober 2026

Wann Schwitzen zu viel ist
Schwitzen ist lebenswichtig, es kühlt den Körper. Bei der Hyperhidrose produzieren die Schweißdrüsen aber deutlich mehr, als für die Temperaturregelung nötig wäre. Typisch sind Schweißausbrüche schon bei leichter Aufregung oder ganz ohne Anlass, Flecken, die durch die Kleidung gehen, und Hände, die Papier wellig machen.
Ob Schwitzen behandlungsbedürftig ist, entscheidet vor allem, wie sehr es Ihren Alltag einschränkt: wenn Sie Kleidung nach dem Schweiß auswählen, Händeschütteln vermeiden oder sich mehrmals am Tag umziehen.
Ursachen
Meist handelt es sich um eine primäre Hyperhidrose. Sie beginnt oft in der Jugend, betrifft beide Körperseiten gleich, vor allem Achseln, Hände, Füße oder Stirn, und tritt im Schlaf nicht auf. Häufig sind mehrere Familienmitglieder betroffen. Die Schweißdrüsen sind dabei gesund, sie werden nur vom Nervensystem zu stark angeregt.
Seltener steckt eine andere Ursache dahinter. Daran denke ich, wenn das Schwitzen erst im Erwachsenenalter beginnt, den ganzen Körper betrifft, nachts auftritt oder nur eine Seite. Mögliche Auslöser sind:
- hormonelle Umstellungen, vor allem die Wechseljahre,
- eine Überfunktion der Schilddrüse oder ein Diabetes,
- Infekte und Fieber,
- bestimmte Medikamente, etwa einige Antidepressiva,
- selten Erkrankungen, die eine internistische Abklärung brauchen; dafür kann ich auch Blutwerte bestimmen.
Was Sie selbst tun können
Erster Schritt ist ein Antitranspirant mit Aluminiumchlorid, abends auf die trockene Haut aufgetragen, weil die Schweißdrüsen nachts weniger arbeiten. Es verengt die Ausführungsgänge. Anfangs kann es brennen und jucken. Dazu kommen atmungsaktive Kleidung, Socken aus Wolle oder Funktionsfasern und das Wechseln der Schuhe, damit sie trocknen können. Das beugt auch Fußpilz vor, der auf feuchter Haut leicht entsteht.
Bei Händen und Füßen kommt außerdem die Leitungswasser-Iontophorese infrage: Hände oder Füße liegen dabei regelmäßig in Wasserbädern, durch die ein schwacher Strom fließt. Die Geräte gibt es für zu Hause.
Botox gegen Schwitzen
Reichen diese Maßnahmen nicht, ist Botox eine gut untersuchte Möglichkeit. Botulinumtoxin unterbricht die Signale der Nerven an die Schweißdrüsen. Ich spritze es mit sehr feinen Nadeln in vielen kleinen Punkten flach in die Haut des betroffenen Areals, meist der Achseln, auch der Handflächen. Die Schweißproduktion dort nimmt nach einigen Tagen deutlich ab. Der Körper schwitzt an anderen Stellen weiter normal und kühlt sich so.
Die Wirkung hält an den Achseln oft sechs bis neun Monate, manchmal länger, an den Händen meist etwas kürzer. Danach lässt sich die Behandlung wiederholen. An den Händen ist sie empfindlicher, deshalb bereite ich die Haut mit Betäubungscreme und Kälte vor. Selten ist die Kraft der Finger für einige Wochen leicht vermindert. Mehr zum Wirkstoff steht unter Botox.
Botox bei Zähneknirschen und Migräne
Botox wirkt nicht nur gegen Falten und Schweiß. In meiner Praxis setze ich es auch bei starkem Zähneknirschen ein, dem Bruxismus. Dabei entspanne ich den kräftigen Kaumuskel am Kieferwinkel, das kann Kieferschmerzen, Verspannungen und den Druck auf die Zähne mindern. Eine Aufbissschiene vom Zahnarzt ersetzt das nicht, beides ergänzt sich.
Bei chronischer Migräne, also an mindestens 15 Kopfschmerztagen im Monat, ist Botox eine anerkannte vorbeugende Behandlung. Ich spritze es dann in festgelegten Punkten an Stirn, Schläfen, Hinterkopf, Nacken und Schultern, in der Regel alle drei Monate. Voraussetzung ist eine gesicherte Diagnose, meist durch Neurologin oder Neurologen.
Wann Sie zur Hautärztin gehen sollten
Lassen Sie Ihre Haut ärztlich ansehen, wenn
- das Schwitzen schränkt Ihren Alltag, Ihren Beruf oder Ihre Begegnungen mit anderen ein
- Sie schwitzen neu und ohne erkennbaren Grund, vor allem nachts oder am ganzen Körper
- das Schwitzen betrifft nur eine Körperseite
- Gewichtsverlust, Fieber oder Herzklopfen kommen hinzu
- Antitranspirante aus der Apotheke helfen nicht oder reizen die Haut
Dieser Ratgeber ersetzt keine Untersuchung. Wenn Sie unsicher sind, sehe ich mir Ihre Haut gern an, in meiner Praxis in der Turmgasse in Überlingen. Termin vereinbaren
Häufige Fragen
Wie lange hält Botox gegen Schwitzen?
An den Achseln meist sechs bis neun Monate, manchmal länger, an den Händen oft etwas kürzer. Danach kann die Behandlung wiederholt werden.
Schwitze ich dann an anderen Stellen mehr?
In der Regel nicht spürbar. Die behandelten Areale machen nur einen kleinen Teil der Körperoberfläche aus, die Temperaturregelung bleibt erhalten.
Tut die Behandlung weh?
An den Achseln ist sie gut auszuhalten, Sie spüren viele kleine Piekse. Die Handflächen sind empfindlicher, dort betäube ich vorher mit Creme und Kälte. Die Sitzung dauert etwa 30 Minuten.
Zahlt die Krankenversicherung Botox gegen Schwitzen?
Private Krankenversicherungen übernehmen die Behandlung bei einer ausgeprägten Hyperhidrose häufig, wenn andere Maßnahmen nicht ausgereicht haben. Fragen Sie am besten vorher nach. Ich rechne nach der GOÄ ab und nenne Ihnen die Kosten vor der Behandlung.
Hilft Botox auch gegen Zähneknirschen?
Es kann den Kaumuskel entspannen und so Kieferschmerzen und Verspannungen mindern. Die Wirkung hält einige Monate. Am besten ergänzt es die Behandlung beim Zahnarzt.