Ratgeber · Hautbild, Rötungen und Pigmente
Periorale Dermatitis (Mundrose): Ursachen, Nulltherapie und Heilung
Kleine rote Knötchen rund um den Mund, die spannen und brennen und auf jede Creme schlechter reagieren: Das ist oft eine periorale Dermatitis. Sie ist harmlos und nicht ansteckend, braucht aber Geduld und vor allem weniger statt mehr Pflege.
Von Dr. med. Katharina Peuker, Fachärztin für Dermatologie in Überlingen · Stand Oktober 2026

Wie sieht eine periorale Dermatitis aus?
Typisch sind kleine, gerötete Knötchen und manchmal winzige Pusteln auf geröteter, leicht schuppender Haut. Sie sitzen um den Mund, in den Falten neben der Nase und am Kinn. Ein schmaler Streifen direkt am Lippenrot bleibt dabei meist frei, das ist ein wichtiges Erkennungszeichen.
Die Haut spannt, brennt oder fühlt sich trocken an, jucken muss sie nicht. Betroffen sind vor allem Frauen zwischen zwanzig und fünfzig, seltener Männer und Kinder.
Periorale Dermatitis an Auge und Nase
Die Knötchen können sich auch um die Nasenflügel und um die Augen zeigen, an den Lidern oder in den Augenwinkeln. Weil dann nicht nur der Mund betroffen ist, spricht man auch von einer periorifiziellen Dermatitis, also einer Entzündung um die Öffnungen des Gesichts. Ursache und Behandlung sind dieselben. An den Augen sollte die Diagnose aber gesichert sein, weil dort auch Ekzeme und Allergien häufig sind.
Periorale Dermatitis: Ursache meist zu viel des Guten
Die Ursache ist nicht vollständig geklärt. Im Mittelpunkt steht eine gestörte Hautbarriere, die auf Reize überempfindlich reagiert. Fast immer finde ich im Gespräch einen oder mehrere dieser Auslöser:
- viele Pflegeprodukte übereinander, vor allem reichhaltige, fettende Cremes, Augencremes und Make-up, die die Haut abdichten,
- Kortisoncremes im Gesicht, auch frei verkäufliche, und manchmal kortisonhaltige Nasensprays oder Sprays zum Inhalieren,
- häufiges Waschen, Peelings und ständiges Ausprobieren neuer Produkte,
- hormonelle Einflüsse, etwa im Zyklus, unter der Pille oder in den Wechseljahren,
- fluoridhaltige Zahnpasta, die als Auslöser diskutiert wird, sicher belegt ist das nicht,
- Sonne, Hitze und Stress als Verstärker.
Periorale Dermatitis oder Rosazea, Akne, Allergie?
Rund um den Mund kann vieles rot werden. Die Unterscheidung ist wichtig, weil manche Behandlungen bei der einen Erkrankung helfen und die andere verschlechtern:
- Eine Rosazea beginnt meist später, sitzt eher in der Gesichtsmitte auf Wangen und Nase und geht mit Erröten und sichtbaren Äderchen einher. Mehr dazu unter Rötungen im Gesicht.
- Akne zeigt Mitesser, die periorale Dermatitis nicht.
- Eine Kontaktallergie auf Inhaltsstoffe der Kosmetik juckt meist deutlich und ist oft unschärfer begrenzt.
- Ein seborrhoisches Ekzem schuppt eher gelblich an Nasenflügeln, Augenbrauen und Haaransatz.
- Lippenherpes bildet gruppierte Bläschen direkt an der Lippe und kehrt an derselben Stelle wieder.
Nulltherapie: Was hilft wirklich?
Der wichtigste Schritt ist, alles wegzulassen, was die Haut belastet. Bei der sogenannten Nulltherapie verzichten Sie auf Cremes, Make-up, Reinigungsprodukte und Peelings im Gesicht. Sie waschen nur mit lauwarmem Wasser. Kühle Umschläge, zum Beispiel mit abgekühltem schwarzen Tee, können Spannen und Brennen lindern.
Das fällt vielen schwer, denn in den ersten ein bis zwei Wochen sieht die Haut oft schlechter aus, bevor sie sich beruhigt. Das ist kein Zeichen, dass die Nulltherapie nicht wirkt. Wer jetzt wieder zur Creme greift, verlängert den Verlauf.
Reicht das nicht, verordne ich entzündungshemmende Cremes, die für diese Erkrankung geeignet sind, bei ausgeprägtem Befund auch Tabletten über einige Wochen. Welche Mittel infrage kommen, bespreche ich nach der Untersuchung in der Sprechstunde für Akne und Rosazea, weil Rosazea und periorale Dermatitis eng verwandt sind.
Kortison absetzen: warum nur mit ärztlicher Begleitung?
Kortisoncreme bessert die Knötchen zunächst rasch, deshalb greifen viele immer wieder dazu. Nach dem Absetzen kommt die Entzündung jedoch oft stärker zurück, man spricht von einem Rebound. So entsteht ein Kreislauf, der die periorale Dermatitis unterhält.
Wenn Sie längere Zeit Kortison im Gesicht verwendet haben, setzen Sie es bitte nicht abrupt und ohne Plan ab. Ich begleite den Ausstieg und fange die erwartbare Verschlechterung mit geeigneten Mitteln ab. Danach gehört Kortison für dieses Krankheitsbild nicht mehr ins Gesicht.
Periorale Dermatitis: Wie lange dauert die Heilung?
Ehrlich gesagt: Schnell geht es selten. Mit Nulltherapie und Behandlung bessert sich die Haut meist innerhalb von vier bis acht Wochen deutlich, bis sie ganz ruhig ist, können einige Monate vergehen. Nach einem Kortison-Ausstieg dauert es oft länger.
Kommt die periorale Dermatitis immer wieder, liegt das häufig daran, dass zu früh wieder viele Produkte aufgetragen werden. Führen Sie Pflege danach langsam und einzeln wieder ein, mit wenigen, leichten Produkten. Besteht der Verdacht, dass ein bestimmter Inhaltsstoff dahintersteckt, kläre ich in der Allergologie, ob eine Allergie vorliegt.
Wann Sie zur Hautärztin gehen sollten
Lassen Sie Ihre Haut ärztlich ansehen, wenn
- die Knötchen bessern sich nach zwei bis drei Wochen Nulltherapie nicht
- Sie haben über längere Zeit Kortison im Gesicht verwendet
- die Augenlider oder die Haut um die Augen sind betroffen
- die Haut juckt stark oder schwillt an
- die periorale Dermatitis kehrt immer wieder zurück
Dieser Ratgeber ersetzt keine Untersuchung. Wenn Sie unsicher sind, sehe ich mir Ihre Haut gern an, in meiner Praxis in der Turmgasse in Überlingen. Termin vereinbaren
Häufige Fragen
Ist eine periorale Dermatitis ansteckend?
Nein. Die periorale Dermatitis ist eine Reaktion der eigenen Haut und wird weder durch Küssen noch durch gemeinsame Handtücher übertragen.
Was hilft schnell gegen periorale Dermatitis?
Ein schnelles Mittel gibt es leider nicht. Am meisten hilft es, konsequent alle Cremes und Kosmetik wegzulassen und die Haut nur mit Wasser zu reinigen. Kortisoncreme wirkt zwar rasch, verschlechtert die periorale Dermatitis aber auf Dauer.
Wie lange dauert die Nulltherapie?
Meist einige Wochen, bis die Haut sichtbar ruhiger ist. Danach führen Sie Pflege langsam wieder ein, zuerst ein einziges leichtes Produkt. Wie lange es bei Ihnen dauert, hängt auch davon ab, ob vorher Kortison verwendet wurde.
Hilft Zinksalbe bei Mundrose?
Dicke, fettende Salben können die Haut zusätzlich abdichten und die Mundrose unterhalten. Ob eine leichte Zinkzubereitung im Einzelfall sinnvoll ist, bespreche ich lieber nach der Untersuchung, als dass Sie es auf Verdacht ausprobieren.
Darf ich mich bei perioraler Dermatitis schminken?
Während der Nulltherapie besser nicht, auch wenn es schwerfällt. Make-up dichtet die Haut ab. Wenn die Haut ruhig ist, ist ein leichtes, mineralisches Produkt an einzelnen Tagen meist eher verträglich.